30 Jahre nach „Anfal“

Betroffene leiden noch immer unter den Folgen des Völkermords

Im Zuge der so genannten Anfal-Operationen in den 1980er Jahren zerstörte die irakische Armee etwa 5.000 Dörfer durch Giftgasangriffe und systematische Vernichtungsaktionen. Zehntausende Menschen wurden umgebracht oder verschwanden, wurden in Umsiedlungslager deportiert oder mussten fliehen. Die Überlebenden wurden häufig in ländlichen Gebieten angesiedelt wo sie bis heute unter Armut und den Folgen der Gewalt leiden.

Aufsuchende Arbeit in vernachlässigten Gebieten

Mobile Beratungsteams haben sich als eine Möglichkeit bewährt, um in ländlichen Gebieten Überlebende und ihre Kinder zu erreichen. Viele leben in Armut und haben nur begrenzten Zugang zu Gesundheitsleistungen. Vor allem Frauen und Kindern ist es oftmals unmöglich, psychologische Hilfen zu erhalten, die nur in größeren Städten verfügbar ist.

Aus diesem Grund rotieren wir im Wochenrhythmus mit mobilen Teams zwischen kleineren Städten und bieten dort ambulante Behandlungen an. Pro Jahr erreichen wir so etwa 500 Personen.

Hilfe für Überlebende der Giftgasangriffe auf Halabja

Halabja, eine Stadt nahe der iranischen Grenze, erfuhr traurige Berühmtheit durch die Giftgasangriffe am 16. und 17. März 1988. An diesen beiden Tagen tötete das Regime mindestens 5.000 Menschen durch den Einsatz von Senfgas und anderen Nervengiften. Schätzungen zufolge wurden bis zu 10.000 Menschen schwer verletzt oder starben bei dem Versuch zu fliehen.

Bis heute leiden viele der Opfer an den körperlichen und seelischen Folgen der Angriffe. Dazu gehören schwere Erkrankungen der Lunge, Erblindungen oder Hauterkrankungen, die permanenter und sehr kostspieliger Behandlung bedürfen. Darüber hinaus haben viele Überlebende posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen entwickelt und leiden unter Aggressionen und Schuldgefühlen. In der Folge sind viele nicht in der Lage zu arbeiten und auf die Unterstützung durch Verwandte angewiesen.

Mit Unterstützung des deutschen Auswärtigen Amtes unterstützen wir die Überlebenden von Halabja durch umfassende medizinische Hilfen und spezielle Traumatherapien. Mit mobilen Teams suchen wir Menschen in kleinen Städten und Dörfern der Umgebung auf. Jährlich helfen wir in Halabja etwa 700 Betroffenen, darunter zwei Drittel Frauen.

Kontakt

Jiyan Foundation for Human Rights Chenar Seerwan Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

Chenar Seerwan
Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

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