Wo die Sprache versagt: Kunst in der Therapie

Kunst ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Durch Kunst können wir Geschichten erzählen, unsere innere Welt erkunden und Gefühle ausdrücken, die sich nicht in Worte fassen lassen. Die Verbindung von Kunst und Therapie erlaubt traumatisierten Menschen, einen Weg zu finden, um ihre schwierigsten Erlebnisse zu verarbeiten. Darum fördern wir auf vielfältige Weise Kunst und künstlerische Unternehmungen in vielen Aspekten unserer Arbeit.

Kreative Wege der Traumabehandlung

Selbsterkundung und Selbstausdruck sind wichtige Teile künstlerischer Schaffensprozesse und lassen sich gut in die Traumatherapie einbinden. Unsere Therapeut*innen nutzen künstlerische Ausdrucksformen, um mit ihren Patient*innen über besonders schwere Themen zu sprechen. Dazu gehören zum Beispiel sexualisierte Gewalt oder der traumatische Verlust von Angehörigen. Durch das Zeichnen von Situationen oder Gefühlen können sie ihre Sprachlosigkeit überwinden und eine aktive Rolle einnehmen.

Insbesondere Kinder nehmen die Möglichkeit, sich auf kreative Weise ausdrücken zu können, gern an. Ein aus Syrien geflüchteter Junge malte zum Beispiel über Wochen nur schwarze Blumen, um seine dunklen Gedanken darzustellen. Als er im Laufe mehrerer Sitzungen ermutigt wurde, ein breiteres Farbspektrum zu nutzen, wurde er lebhafter, begann zu sprechen und schöpfte so neuen Lebensmut. Gleichzeitig gibt das Malen und Spielen Kindern, die Unvorstellbares erlebt haben, ein Stück ihrer verlorenen Kindheit zurück.

Kunst als Sprachrohr der Entrechteten

Viele unserer Patient*innen nutzen eine künstlerische Begabung, um ihre Erlebnisse über die Therapie hinaus öffentlich zu machen. Ihre Werke stellen wir bei öffentlichen Veranstaltungen aus oder dürfen sie für Veröffentlichungen und Kampagnen nutzen.

Der Irak hat eine lange und reiche Geschichte des künstlerischen Schaffens, die in Europa kaum bekannt ist. Daher sind wir froh, mit einer Reihe an lokalen Künstler*innen zusammenzuarbeiten, die unsere Arbeit ehrenamtlich unterstützen. So kooperieren wir seit vielen Jahren mit dem College of Art der Universität Sulaymaniyah sowie mit Galerien der Region. Gemeinsam haben wir unter anderem Kunstprojekt „Coloring your Dreams“ durchgeführt, das geflüchtete Kinder ermunterte, ihre Träume und Hoffnungen zu zeichnen.

Kontakt

Jiyan Foundation for Human Rights Chenar Seerwan Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

Chenar Seerwan
Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

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