Eine Traumaklinik für jesidische Frauen und Mädchen im Irak

Im Sommer 2014 entführten Kämpfer des so genannten Islamischen Staates (IS) rund 5000 jesidische Frauen und Mädchen sowie Hunderte von Kindern. Viele der Überlebenden sind schwer traumatisiert und benötigen dringend psychologische Unterstützung. In einer im Irak einzigartigen stationären Traumaklinik erhalten sie umfassende Behandlung in einem heilsamen Umfeld.

Das Leid der Jesidinnen

Zur dschihadistischen Ideologie des IS gehörte eine Politik der systematischen Gewalt gegen Frauen. Die Terroristen zwangen Frauen und Mädchen ihre extremistische Agenda auf und machten sie zum Schlachtfeld ihres „Heiligen Krieges“. Insbesondere Frauen der jahrtausendealten Glaubensgruppe der Jesiden im Irak wurden zum Ziel ihrer Gewalt. In ihrem Onlinemagazin Dabiq haben sie die Versklavung und Vergewaltigung von jesidischen Frauen offiziell begründet und gerechtfertigt.

Jesidische Frauen und Mädchen wurden entführt, als Sklavinnen verkauft, zur Arbeit gezwungen, zwangsverheiratet und oft schwerer sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Etwa 2000 von ihnen konnten fliehen oder wurden von Angehörigen freigekauft. Sie blicken teils auf Jahre schwerster Gewalt zurück, haben Angehörige verloren und waren gezwungen, die eigene Sprache, die eigenen Bräuche und den eigenen Glauben zu verleugnen. Viele leben in Camps für Geflüchtete im Nordirak und leiden unter den seelischen und körperlichen Folgen ihrer Erlebnisse.

Eine stationäre Traumaklinik für Frauen und Mädchen

Seit November 2015 betreiben wir die erste stationäre Einrichtung für traumatisierte jesidische Frauen im Irak. Hier werden die Patientinnen gemeinsam mit ihren Kindern über mehrere Monate in einem geschützten Raum ganzheitlich und kostenlos behandelt. Unser ausschließlich weibliches Personal, bestehend aus speziell geschulten Ärztinnen, Psychologinnen und Traumatherapeutinnen, Pädagoginnen und Krankenschwestern, bietet den Patientinnen während ihres Klinikaufenthalts

  • medizinische und gynäkologische Behandlung
  • psychologische Behandlung und Traumatherapie in Einzelsitzungen und in der Gruppe
  • Physiotherapie und Schmerzbehandlung
  • Sportangebote und Entspannungstechniken
  • gemeinsame Alltagsgestaltung und Ausflüge
  • Kinderbetreuung
  • Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen und Frauenrechten

Unser Ziel ist es, die Patientinnen zu stabilisieren und auf ein selbstbestimmtes Leben nach dem Klinikaufenthalt vorzubereiten. Dafür werden Familien und Partner in den therapeutischen Prozess einbezogen.

In den Medien

Die Zeitschrift Brigitte brachte am 11.03.2020 den Reportage-Beitrag „Wie Chili gegen Trauer hilft“ über die Klinik heraus.

Kontakt

Jiyan Foundation for Human Rights Lavan Jalal Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

Lavan Jalal
Programmleitung Trauma und Gesundheit

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Jiyan Foundation for Human Rights Chenar Seerwan Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

Chenar Seerwan
Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit

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