Die Jiyan Foundation for Human Rights hat zum 28.02.2026 offiziell den Heilgarten in der Stadt Chamchamal, Kurdistan-Irak, an die Kurdische Regionalregierung übergeben. Fortan wird die Stadt Chamchamal in Zusammenarbeit mit dem regionalen Gesundheitsministerium den Garten sowie die dortigen Gebäude führen und Serviceangebote für die lokale Bevölkerung bereitstellen.

Der Heilgarten wurde von der Jiyan Foundation zur therapeutischen Versorgung für Überlebende von Genozid, Krieg, Folter, geschlechtsspezifischer Gewalt und anderen Formen des Missbrauchs aufgebaut. Seit seiner Eröffnung 2017 wurden durch den Garten in der Region bislang nicht verfügbare Therapieformen wie tiergestützte Therapie und Gartentherapie etabliert. Mehr als 20.000 Klient*innen fanden hier Behandlung. Über 50.000 Besucher*innen, unter ihnen Schulkinder, lokale Familien und Fachleute verschiedener Richtungen, kamen in den Garten, um sich über die diversen Angebote zu informieren oder einfach das besondere Klima an diesem Ort zu genießen.

Jesidische Frauen und Kinder aus Jiyans nahegelegener Fachklinik für Überlebende von ISIS-Verbrechen wurden ebenfalls in der Anlage betreut.

Der Aufbau und Betrieb des Gartens wurden aus Deutschland heraus intensiv vom Jiyan Stiftung für Menschenrechte e.V. unterstützt.

Leider wurden die Stadt Chamchamal und mit ihr der Heilgarten durch sehr schwere Regenfälle mit starken Überflutungen Anfang Dezember letzten Jahres heimgesucht. Neben den schweren Schäden in der Stadt, waren auch wichtige Anlagen des Gartens schwer betroffen. Nachdem die Jiyan Foundation zunächst eine Fortführung anstrebte, erwiesen sich die Schäden als zu schwerwiegend, um die Wiederherstellung auf Spendenbasis zu realisieren.

Ein Ort der Ruhe und Resilienz

Der Heilgarten befindet sich in einer Region, die stark von der sogenannten „Anfal-Kampagne“ gegen die Kurden betroffen war. Ziel des Projekts war es, Überlebenden und ihren Familien einen sicheren und friedlichen Ort der Erholung und Verarbeitung traumatischer Erfahrungen zu bieten. Durch naturbasierte Therapie, psychosoziale Unterstützung und gemeinschaftliche Aktivitäten hat der Garten vielen Menschen geholfen, nach Gewalt und Konflikt wieder Vertrauen, Stabilität und Würde aufzubauen.

Neben der direkten therapeutischen Arbeit hat das Projekt auch zur Stärkung lokaler Kapazitäten beigetragen: Mehr als 100 lokale Fachkräfte wurden in traumasensibler Behandlung und gemeindebasierter psychosozialer Unterstützung ausgebildet.

Internationale Anerkennung für nachhaltige Innovation

Der Heilgarten wurde in Zusammenarbeit mit ZRS Architekten Ingenieure (Berlin) entworfen und verbindet therapeutisches Design mit ökologischer Nachhaltigkeit. Das Projekt zeigt, wie umweltbewusstes Bauen sowohl zur gesellschaftlichen Erholung als auch zur langfristigen Resilienz beitragen kann.

Zu den wichtigsten ökologischen Merkmalen gehören:

  • Umweltfreundliche Architektur: Gebäude aus natürlichem Lehm schaffen atmungsaktive und energieeffiziente Räume, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen.
  • Erneuerbare Energien: Der Garten wird mittels Photovoltaik und Biogastechnologie betrieben, wodurch der CO₂-Ausstoß erheblich reduziert wird. Der Garten ist ein lokales Modell für zukunftsträchtige Energieproduktion in einer Region, die durch Erdölförderung und Klimaerwärmung schwer geschädigt ist.
  • Wassermanagement: Ein speziell entwickeltes Grauwasser-Aufbereitungssystem ermöglicht nachhaltige Bewässerung und die Wiederverwendung von Abwasser.
  • Aufforstung: Mehr als 9.700 Bäume wurden gepflanzt, um Biodiversität zu fördern, Schatten zu spenden und die Klimaresilienz der Region zu stärken.

Diese Maßnahmen dienten zugleich der Sensibilisierung für psychologische Erkrankungen und Heilung, sowie für Umweltfragen und nachhaltige Methoden im Umgang mit dem Klimawandel.

Für diesen innovativen Ansatz erhielt das Projekt den iF Social Impact Prize 2020 sowie den National Energy Globe Award für den Irak. Darüber hinaus wurde der Healing Garden auf ArchDaily, einer der weltweit führenden Plattformen für Architektur, vorgestellt.

Eine nachhaltige Zukunft

„Nach Jahren engagierter Zusammenarbeit sind wir stolz darauf, den Heilgarten an die Regionalregierung Kurdistans zu übergeben“, sagte Salah Ahmad, Vorsitzender der Jiyan Foundation for Human Rights. „Dieses Projekt wurde für die Menschen vor Ort geschaffen. Wir sind davon überzeugt, dass lokale Verantwortung der entscheidende Schritt ist, um seine langfristige Nachhaltigkeit und seinen fortgesetzten Nutzen für die Menschen vor Ort sicherzustellen.“

Hawkar Fadhil Kakabra, Vertreter der Gemeinde Chamchamal, begrüßte die Übergabe und würdigte die Arbeit der Jiyan Foundation beim Aufbau dieses wichtigen Angebots für die lokale Bevölkerung.

Der Heilgarten wurde durch die großzügige Unterstützung von Misereor, Wings of Hope, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der Autonomen Provinz Bozen–Südtirol, Bild hilft e.V., dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Postcode Lottery sowie zahlreichen privaten Spender*innen ermöglicht.

Während die Verwaltung nun an lokale Behörden übergeht, bleibt die Jiyan Foundation for Human Rights ihrer Mission verpflichtet, Überlebende von Menschenrechtsverletzungen zu unterstützen und die Traumabewältigung im Irak und in der Region zu fördern.\